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12-04-09
Textanalyse: Wahrnehmungs- und Argumentationsroutinen durchbrechen


Frauen fragen gern und häufig ihre Männer: "Kannst du den Müll hinaustragen?" Die Frage ist in Wahrheit eine Aufforderung. Kein Mann würde eine Frau fragen: "Kannst du mich heiraten?" Er wird, wenn auch selten, einen derartigen Wunsch als Wunsch formulieren (und möglicherweise später bereuen). Frauen und Männer formulieren meist anders. Das naive Sprachverständnis führt bei beiden häufig in die Irre. Noch größer sind die Misshelligkeiten in sprachrelevanten Wissenschaften. Professor Dr. Harald Schweizer, Linguist und Alttestamentler in Tübingen, leuchtet in das Labyrinth und bietet eine - teils amüsante, teils überraschende - Anleitung zur Textanalyse in Philosophie, Politikwissenschaften, Psychologie, Soziologie und Theologie.


Schweizer setzt bei einem Text an, der auf größtmögliche Verständnisschwierigkeiten stößt, Genesis 22, 1-19:


"... und der Gott prüfte Abraham.
Und er sprach zu ihm:
Abraham!
Und er sprach:
Hier bin ich!
Und er sagte:
Nimm deinen Sohn, deinen einzigen,
den du liebhast,
den Isaak,
und gehe hin in das Land Morija,
und opfere ihn dort als Brandopfer auf einem der Berge,
den ich dir nennen werde.
Und Abraham machte sich früh am Morgen auf
und sattelte seinen Esel
und nahm seine beiden Knechte und seinen Sohn Isaak mit sich.
Und Holz zum Brandopfer hatte er gespalten ..."


In seiner minutiösen Analyse des Bibeltextes führt Schweitzer auf einen steinigen, bisher unbekannten Pfad - und zeigt: "Ein sensibler Umgang mit Sprache nutzt diese eben nicht nur zur Informationsbeschaffung, sondern nimmt die erfahrbare Wirklichkeit immer differenzierter wahr. Wer sich konstant darauf einlässt, wird zwar nie an ein Ende kommen. Aber die geistige Vernetzung mit anderen Menschen, mit der erfahrbaren Welt und auch die Erkenntnis eigenen Verhaltens wird ständig wachsen. Das immer neue Durchbrechen von Wahrnehmungs-, Sprach- und Verhaltensroutinen wird sich vollziehen.

Primär ist, dass immer weiter mein ´Wunsch zu wissen´ angestachelt wird. Durch jeden neuen Text wird er stärker. ... Ist dieser Prozess einmal in Gang, lässt sich eine säuberliche Trennung bei den betreffenden Menschen nicht mehr sehen: Es ist der ganze Mensch, der hierbei aktiv ist, reagiert, sucht, analysiert - mit Verstand, Gefühlen und seinem unbewussten Verarbeitungspotenzial. Eine über Sprache, Sprachreflexion allmählich wachsende Ganzheitlichkeit."  



Quellen / Links:

Harald Schweizer: Fantastische "Opferung Isaaks" - Textanalyse in Theorie und Praxis

Pabst, Lengerich/Berlin, 360 Seiten

ISBN 978-3-89967-303-6









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